Perlen – ein Wunderwerk der Natur

Die Geschichte des Schmückens reicht bis in die Anfänge der Menschheitsgeschichte zurück. Zu den ältesten Schmuckstücken überhaupt zählen ohne Zweifel Perlen. Schon im frühen Neolithikum vor mehr als 7.000 Jahren tauchten die Menschen auf der Arabischen Halbinsel nachweislich nach Muscheln und ihrem wertvollen Inhalt. In einem chinesischen Geschichtsbuch wurden Perlen bereits vor über 4.000 Jahren erwähnt. Hier betrachtete man die Perlen als Tribut eines Flusses an den König. Auch bei den Griechen und Römern in der Antike waren Perlen beliebt und begehrt. Perlen waren eine wertvolle Handelsware und der Hauptumschlagplatz für sie befand sich in Alexandria. Die zauberhaften Gebilde wurden nach der Bezeichnung für die Geliebte Margarete benannt. Bis heute sind Perlen Klassiker des Schmucks geblieben. Sie sind zeitlos und elegant. Perlen stehen nahezu jeder Frau in jedem Alter gut zu Gesicht. Doch es gibt große Unterschiede bei Perlen hinsichtlich ihrer Herkunft und ihrer Verarbeitung.

Was genau sind Perlen eigentlich?

Perlen sind ursprünglich eine Laune der Natur. Wenn sich ein Fremdkörper, beispielsweise ein Sandkorn, in einer Muschel einnistet, wird er nach und nach mit Perlmutt überzogen und bildet so eine Perle. Perlen müssen keineswegs immer rund sein und sie können in seltenen Fällen nicht nur in Muscheln, sondern auch in Schnecken heranwachsen. Die genauen Umstände der Perlenbildung sind nicht hinreichend geklärt. Perlen wachsen nur sehr langsam. Nicht selten dauert die Perlenbildung bis zu 15 und mehr Jahre. Selbst bei Zuchtperlen erfolgt die Ernte oft erst nach zwei bis fünf Jahren. Perlen bestehen wie auch Muschelschalen zu etwa 90 Prozent aus Calciumcarbonat und sie haben eine feine kristalline Struktur. Neben Naturperlen und Zuchtperlen gibt es auch künstliche Perlen, die in ganz unterschiedlichen Herstellungsverfahren entstehen.

Welche Arten von Perlen gibt es?

Der internationale Perlenhandel ist auch heute noch ein eigener Wirtschaftszweig, der strengen Regeln folgt. Unterschieden werden natürliche Perlen, Zuchtperlen und Perlenimitationen. Zur letzten Sorte gehören die sogenannten Mallorcaperlen. Diese hochwertigen künstlichen Perlen, die übrigens ein Deutscher Ende des 19. Jahrhunderts erfunden hat, werden seit mehr als 100 Jahren auf Mallorca hergestellt. Sie sind zertifiziert und zu Schmuck verarbeitet durchaus apart. Als „echte“ oder „natürliche“ Perlen dürfen nur solche bezeichnet werden, die ohne Eingriff des Menschen in natürlichen Gewässern wachsen. Bis heute werden in der Südsee oder im Persischen Golf solche Perlen von Perlentauchern gefischt. Die Perlentaucher dringen in bis zu 20 Metern Tiefe vor. Dieser nicht ungefährliche Beruf hat sich seit tausenden Jahren kaum verändert. Eine weitere Bezeichnung für die echte Perle ist „Orient-Perle“. Diese Bezeichnung ist insofern irreführend, weil viele echte Perlen über Jahrhunderte Flussperlen aus europäischen Gebirgsbächen waren.

Die Wunderwelt der Zuchtperlen

Beinahe alle Perlen, die heute zu Schmuck verarbeitet werden, sind Zuchtperlen. Dafür werden in Muschelbänken Transplantate in die Muscheln eingebracht, die in vielen Monaten oder auch mehreren Jahren zu Perlen heranwachsen. Die Natur wirkt bei der Entstehung von Zuchtperlen natürlich auch mit. Schon im 5. Jahrhundert wurden in China sogenannte Buddha-Perlen in Süßwassermuscheln herangezüchtet. Dem berühmten schwedischen Naturwissenschaftler Carl von Linné gelang es 1758 in Malermuscheln kreisrunde Perlen zu züchten. Die Perlenzucht ist ein äußerst schwieriges Unterfangen geblieben. Nur in 30 Prozent aller implantierten Muscheln wachsen tatsächlich Perlen heran, von denen wiederum nur ein Teil für hochwertigen Schmuck verwertbar ist. Manchmal bilden sich neben größeren Perlen in Zuchtmuscheln auch noch zahlreiche kleine Perlen. Diese nennt man Saatperlen. Es gibt weltweit 10.000 Arten an Muscheln. Nur einige wenige davon eignen sich für die Perlenzucht.

Welche Perlen werden unterschieden?

Die Bezeichnung von Perlen richtet sich nach Form und Aussehen oder ihrer Herkunft. Barockperlen nennt man beispielsweise Perlen, die unregelmäßig geformt sind. Sogenannte Button-Perlen sind flachkugelige Perlen, die rund oder elliptisch geformt sind. Mabé-Perlen entstehen durch ein besonderes Zuchtverfahren. Hier handelt es sich um Halbperlen mit ganz unterschiedlicher Form und barocken Oberflächen, die oftmals hochwertig in Gold und Silber gefasst werden. Sogenannte Biwa-Perlen sind Süßwasserperlen mit barocker Form, die ursprünglich aus dem japanischen Biwa-See kamen, heute aber auch anderswo gezüchtet werden. Keshi-Perlen, übersetzt Mohnsamenperlen, sind besonders kleine Perlen, die ungeplant in Akoya-Muscheln neben großen Perlen wachsen.

Wundersame Gebilde aus Fluss und Meer

Bei Meerwasserperlen werden verschieden Varietäten unterschieden. Tahiti-Perlen etwa gelangten erst Mitte des 19. Jahrhunderts aus der Südsee nach Europa. Sie haben eine silberne bis schwarze Grundfarbe und changieren blau, grün oder sogar purpurfarben. Sie gehören mit bis zu 16 Millimetern Durchmesser zu den größten Perlen. Die sogenannten Südsee-Perlen kommen aus Australien, Indonesien und von den Philippinen. Sie sind in seltenen Fällen sogar noch größer als die Tahiti-Perlen und schillern weiß, silbern oder auch goldfarben. Die Akoya-Perlen kommen aus China und Fernost. Diese mit bis zu maximal 6 Millimetern Durchmesser recht kleinen Perlen sind cremefarben und weiß. Für die Verarbeitung zu Schmuck werden sie in verschiedenen Farben eingefärbt. Fast alle zu Schmuck verarbeiteten Süßwasserperlen kommen heute aus China. Sie sind eher klein, barock und können sehr farbenfroh sein.

Perlenschmuck gestern und heute

Schmuck aus Perlen kann so vielfältig sein wie die Welt der Perlen selbst. Hochwertige Perlen haben durchaus die Qualität von Edelsteinen. Den irisierenden Perlglanz einer Perle nennt man übrigens Lüster. Eine Perle kann ein hochwertiger Solitär sein. Welche Wirkung eine einzige Perle hat, zeigt das wunderbare Gemälde „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ vom niederländischen Malers Jan Vermeer. Das weltberühmte Gemälde aus dem Jahr 1665 befindet sich im Mauritshuis in Den Haag, wo es jährlich zehntausende Besucher anlockt. Perlen waren in der Vergangenheit so rar und kostbar wie Edelsteine und Gold. Hochwertige Perlen sind es heute noch. Exzellenter Perlenschmuck ist ein herausragendes Zeugnis hoher Goldschmiedekunst. Solche wertvollen Schmuckstücke sind Bestandteil bedeutender Sammlungen in Dresden und München, in Wien, Moskau und Sankt Petersburg. Wer an Perlenschmuck denkt, hat sofort Stilikonen wie Audrey Hepburn oder Jacqeline Kennedy Onassis vor Augen, die mit ihrer Eleganz noch heute die Vorbilder vieler Frauen sind.

Die besondere Kraft der Perlen

Perlen wurden schon immer ein Zauber und eine besondere Kraft zugesprochen. Zahlreiche Legenden ranken sich um die Perle. Sie galt im Altertum als Symbol der Jungfräulichkeit. In China verkörperte die Perle über Jahrhunderte Weisheit, Würde und Reichtum. Verstorbenen Kaisern legte man eine Perle in den Mund. In Japan war die Perle der Garant für Glück und Kindersegen. Perlen sollten ein Aphrodisiakum sein. Vielleicht war das einer der Gründe, warum Kleopatra eine besonders große Perle in Essig auflöste und das Gebräu trank. Vielleicht tat sie das aber auch aus reiner Verschwendungssucht. „Aqua perlata“ auf Essig- und Zuckerbasis war seit dem Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert eine Medizin. Es galt als Mittel gegen Wahnsinn, Melancholie und weitere Krankheiten. Mithilfe von Perlen wurden Orakel erstellt. Perlen wurden auch mit den schönen Zähnen junger Frauen verglichen. Die Perle wird im Neuen Testament erwähnt. Im Mittelalter war sie daher auch ein Machtsymbol der katholischen Kirche.

Einzigartige Schmuckstücke

Kaum ein Portrait oder Gemälde von berühmten Frauen und Herrscherinnen kommt ohne Perlenschmuck aus. Neben üppigen Colliers mit Perlen und kunstvollen Ohrgehängen sind darauf ganze Gewänder mit wertvollen Perlen bestickt. Heutzutage gibt es im wohlsortierten Schmuckhandel eine breite Auswahl an Perlenschmuckstücken, die hochwertig mit Gold oder Silber verarbeitet sind. Da findet jede Frau ein Schmuckstück, das genau zu ihr passt und ihre Persönlichkeit unterstreicht. In Polynesien gilt die Perle als ein Friedensgeschenk des Gottes Oro an die Menschen. In der antiken Literatur ist überliefert, dass die Perlen durch die Befruchtung von Muscheln durch den Tau entstehen. Eine der berühmtesten Perlen der Welt ist die La Peregrina. Die birnenförmige Perle stammte wahrscheinlich aus Panama und wiegt über 13 Gramm. Maria Tudor trug sie an einer Brosche auf der Brust. Später ersteigerte Richard Burton das Prachtstück, um sie seiner damaligen Frau Elizabeth Taylor zu schenken. Eine noch größere und schwere Perle ist die La Regenta, die im Jahr 2011 für über zwei Millionen Euro versteigert wurde.

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